Jour fixe Februar

Visiting Charles Ives today – Bericht mit Fotos und Musik von einer Reise durch New England und New York

Im Sommer 2015 konnte sich der Referent, Gründungsvorsitzender und Ehrenmitglied der Cooperativa Neue Musik, einen seit den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts gehegten Wunsch erfüllen und auf den Spuren des großen amerikanischen Komponisten Charles Ives viele Orte seines Lebens und Wirkens sowie der Inspiration zu seinen Werken aufsuchen. Die Reise führte von Boston und Concord (dem „Weimar der USA“) nach New York (dem Sitz der von ihm gegründeten Lebensversicherung und Wohnort während des Winterhalbjahres) und von dort über New Haven mit der Yale-University (Ives‘ Studienort), Danbury (Stadt seiner Geburt, Kindheit und Jugend sowie seiner letzten Ruhestätte) und Redding (Sommersitz seiner letzten 40 Lebensjahre) zurück nach Boston.

Charles Ives (1874-1954) ist neben John Cage und Morton Feldman der im Weltmaßstab bedeutendste Komponist, den die USA im 20. Jahrhundert hervorgebracht haben. In seinen wichtigen Werken, die allesamt in den rund 15 Jahren zwischen 1901 und 1916/17 entstanden sind, hat Ives in allen Parametern des Komponierens vielfältige Entdeckungen gemacht und neuartige Konstruktionen daraus entwickelt. Mit Recht wurde darum gesagt, er habe viele spätere Entwicklungen der Neuen Musik im Ansatz bereits vorweg genommen. Da Ives in seinen Werken im Prinzip jederzeit alle existierenden musikalischen Materialien aus Vergangenheit und (seiner) Gegenwart als – mehr oder weniger deutlich identifizierbare – Zitate verwenden kann, hat man ihn auch als den Erfinder der musikalischen Collage bezeichnet. Diese Fülle unterschiedlichster musikalischer Mittel und Gestalten musste sich den Vorwurf der Stillosigkeit und des Dilettantismus gefallen lassen. Doch liegt solche „Stillosigkeit“ in der Konsequenz von Ives‘ Musikauffassung: Wenn es gilt, Aspekte und Vorgänge des Lebens in adäquate musikalische Formen umzusetzen, dann muss dafür ein Höchstmaß an kompositorischen Möglichkeiten, an überkommenen, gegenwärtigen und neu zu erfindenden, zur Verfügung stehen – in seinen eigenen Worten: „Die Zukunft der Musik wird nicht nur bei der Musik selber liegen, sondern eher in der Art, wie sie die Ziele und Ideale der Menschen ermutigt und erweitert, statt sie zu begrenzen; in der Art, wie sie an den besseren Dingen teilnimmt, welche die Menschheit unternimmt und von denen sie träumt.“

Zu unserer großen Freude wird das neben „The unanswered Question“ wohl bekannteste Werk von Ives, „Three Places in New England“, im 5. Konzert der Bielefelder Philharmoniker, am 12. und 14. Februar, aufgeführt werden, und das gezielt in Verbindung mit der 5. Sinfonie Beethovens, deren Eingangsmotiv im dritten der „Three Places in New England“ eine eminent wichtige Rolle spielt. Im Hinblick darauf ist der Jour fixe der Cooperativa Neue Musik am 1. Februar auch als einführende Vorbereitung auf das Konzert zu sehen.
Referent: Dr. Ulrich Maske

Montag, 1.2., 20 Uhr, in der Capella hospitalis, Teutoburgerstr. 50
Eintritt frei, Spenden erwünscht

Jour fixe Januar

Voice versa – Stimmimprovisationsduo Laureline Koenig und Anna Bella Eschengerd

Zwei weibliche Stimmen tasten den Raum ab und übersetzen schwingende Stimmungen und Erfahrungen in Klänge. Die Künstlerinnen entwickeln in ihrer Performance eine situationsgebundene klangliche Rauminstallation in Resonanz mit der Capella Hospitalis und den Besucherinnen und Besuchern.
Sie setzen ihre Stimmen im vollen Umfang vom Geräusch bis zu harmonischen Tonfolgen ein, verweben Klänge und Textfragmente über Sprachgrenzen hinweg und komponieren so improvisierend ein Klangbild für diesen Abend. Die beiden Künstlerinnen geben dem, was zwischen den Zeilen passiert, zwischen Worten in ihren Grenzen eine Form im Augenblick. Sie machen eine Art haptischen Zuhörens erfahrbar, mit dem sie nach einer inneren Resonanz suchen. Sie nehmen den Nebel eines nichtanalytischen Blicks als Ausgangspunkt für Ihre Improvisationen.
Über Laureline Koenigs und Anna Bella Eschengerds Arbeit:
Laureline Koenig verarbeitet traditionelle Erzählungen, Gesänge und individuelle Lebensgeschichten in ihren Stimmimprovisationen. Sie beforscht Improvisation künstlerisch hinsichtlich Oralität der Sprache, Übertragung und Grenzen.
Anna Bella Eschengerd entwickelt im Augenblick der Aufführung spontane Wort- und Stimmimprovisationen. Sie gestaltet durch Textfragmente, Gedankensprünge und Assoziationen ein Resonanzfeld zwischen sich, dem Publikum und dem Raum. Ihrer Stimme und Sprache gibt sie Gestalt im Dazwischen von Klangkörper und Sinnträger.
Montag, 11.1., 20 Uhr, Capella hospitalis, Teutoburgerstr. 50
Eintritt frei, Spenden erwünscht