Jour fixe April

Helmut Lachenmann: musique concrète instrumental – ein ästhetisches Abenteuer
Referentinnen: Heidemarie Bhatti-Küppers und Edith Murasova

Helmut Lachenmann, der am 29.November 2015 seinen 80. Geburtstag feierte, zählt international zu den führenden Komponisten der zeitgenössischen Musik. In den langen Jahren seines Schaffens hat er nach einer neuen musikalischen Ausdrucksform gesucht, die ungewohnte Klänge und Geräusche einbezog. In seiner „Musique concrète instrumentale“ geriet der „normal“ gespielte Ton zur Ausnahme, zu einer akustischen Möglichkeit unter vielen. Der Vorstellung von Klangzauber und Glamour-Sound als den „Insignien tönender Verführung oder ästhetischen Sedativums“ misstraut Lachenmann und setzt ihr den „Klang als Nachricht von seinen Entstehungsbedingungen“ entgegen. Ähnlich wie bei manchen Aufnahmen Glenn Goulds das Anschlagsgeräusch und auch sein Atem mithörbar sind, hat Lachenmann seinerseits den Geräuschanteil der Tonproduktion thematisiert. Die mechanischen Bedingungen bei der Klangerzeugung werden Teil der Komposition. „Das Ganze“, so Lachenmann, „wird zur ästhetischen Provokation: Schönheit als verweigerte Gewohnheit.“
Neben seinem ca. 50 Kompositionen umfassenden Werk hat Lachenmann auch eine Fülle von Texten verfasst, die sehr grundlegend und radikal sind und die nicht nur Reflexionen über das Komponieren enthalten, sondern auch über das Musik-Leben und die Musikrezeption unserer Zeit.

Anhand einiger ausgewählter Musikbeispiele erläutern die beiden Referentinnen Lachenmanns „Poetik des Geräuschs“, die auf neue Horizonte des Hörens abzielt.

Montag, 4. April 2016 Capella hospitalis 20:00 Uhr
Eintritt frei, Spenden erwünscht

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