Jour fixe Dezember

Andi Otto
Unschärfen des Körpers in elektronischer Musik – Konzert und Diskussion

Mit den komplexen Optionen der Klanggestaltung in elektronischer Musik stellt sich für viele Musiker die Frage, was sie eigentlich auf der Bühne tun sollen, wenn sie für ein Konzert eingeladen werden. Das „Elektro-Instrumentale“ ist ein schillernder Begriff, der für diverse Konzepte zwischen Play-Buttons des DJs und komplexen interaktiven Setups stehen kann. Die Frage ist dabei, wie die Präsenz des musizierenden Körpers mit elektronischen Prozessen zusammengebracht werden kann, über welche Techniken und Metaphern eine Livesituation inszeniert wird, und welche ästhetische Bedeutung diese Entscheidungen haben können. Diese Fragen sollen gemeinsam diskutiert werden mit einem speziellen Blick auf die Rolle des Körpers, der einen Klang zur Aufführung bringt. Wie hören wir zu, wenn wir eine CD abspielen, wie, wenn sich ein Performer dazu bewegt, und wie, wenn der Performer die Klänge tatsächlich erzeugt?

Am Beispiel der Geschichte des STEIM in Amsterdam erläutert Andi Otto verschiedene Ansätze des Elektro-Instrumentalen. STEIM steht für „Studio for Electro-Instrumental Music“ – dort werden seit 1969 Instrumente entwickelt. Diese sind häufig Unikate, Experimente und Basteleien, aber auch aufwändige Projekte wie etwa „The Hands“ in den 1980er Jahren, in denen Hand-Sensoren Daten an Computer sendeten, um aus Gesten Klänge zu formen.

Sein eigenes Instrument „Fello“ hat Andi Otto am STEIM seit 2007 entworfen. Darin hat er den Cellobogen mit Sensoren erweitert, so dass die Gestik des Bogens und der Fingerdruck gemessen werden kann. Der verstärkte Celloklang lässt sich dadurch live modulieren und es entsteht ein komplex bespielbarer, instrumentaler Raum rund um das Cello. Andi Otto wird sein Instrument demonstrieren und Details und seine individuellen Ideen der Interaktion mit elektronischem Klang erläutern.

Andi Otto
ist Komponist und Performer elektronischer Musik, er lebt und arbeitet hauptsächlich in Hamburg.
Im Zentrum seiner künstlerischen Arbeit steht das selbstentwickelte Instrument „Fello“, eine elektronische Erweiterung des Cellobogens mit Bewegungssensoren. Er war Stipendiat an der „Villa Kamogawa“ in Kyoto und tourt international, wobei insbesondere die Musikkulturen Indiens und Japans ihre Spuren in seiner Musik hinterlassen. Er hat eine Doktorarbeit über das STEIM SensorLab verfasst (eine Pionierarbeit für experimentelle Musik-Interfaces aus den 80ern) und unterrichtet Kurse zur Praxis und Theorie elektronischer Musik an der Hochschule der Künste in Bern und der Humboldt Universität Berlin. Andi Otto ist Mitglied des Flinn-Works Theaterkollektivs in Berlin und komponiert für Film-, Theater- und Tanzproduktionen. Er hat seit 2004 vier Alben unter dem Künstlernamen „Springintgut“ veröffentlicht und verwendet seit 2015 seinen bürgerlichen Namen auch als Künstlernamen. Als DJ veranstaltet er regelmäßig Abende im Golden Pudel Club in Hamburg.
www.andiotto.com

Montag, 5.12., 20 Uhr, Capella hospitalis
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten

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