Brisante Träume – 7 Stunden KLANG

Sonntag, 3.2.2019, 11 – 18 Uhr
MARTa Herford

Im Rahmen der Ausstellung „Brisante Träume – Die Kunst der Weltausstellung“ komponiert das Cooperativa Ensemble Bielefeld in der Gehri-Architektur des Museums Marta Herford einen vielschichtigen Klangtag.
Mit seinen diversen Kompetenzen bietet das Ensemble ein Programm an, das sich mit verschiedenen Formaten der Musik auf das hochinteressante Ausstellungsprojekt zu Kunst und Architektur von fünf Weltausstellungen bezieht:

• Konzerte und Performances in verschiedenen Besetzungen vom Gesamtensemble bis zu dezentralen Soloauftritten
• Partizipative Aktionen und Workshops im Bereich instrumentaler und vokaler Komposition und Improvisation sowie Bau von elektronischen Klangobjekten,
• Musikwissenschaftliche Vorträge, z.B. zur Verbindung von Musik und Architektur bei Xenakis und Le Corbusier.

Die Ausstellung nimmt in 5 Räumen Bezug auf 5 Weltausstellungen und ihre Schwerpunkte. Das Ensemble bezieht in sein Gesamtkonzept die einzelnen Themenbereiche ebenso mit ein wie Vertreter der Neuen Musik, die dort tätig waren.

So konfrontiert sich beispielsweise das Gesamtensemble in dem Raum „Ingenieure des Lebens – Paris 1937“ in voller Länge mit dem über 15 m breiten Gemälde „Air, fer, eau“ von Robert Delaunay.

In „Demokratie und Zerstörung – New York 1939/40“ nimmt die elektroakustische Komposition „robert“ von Marcus Beuter Bezug auf das Motto „The World of Tomorrow – All Eyes to the Future“. Das Wahrzeichen der Ausstellung war der über 200 Meter hohe Trylon-Turm.
Beuter machte wenige Monate nach den Angriffen auf das World Trade Center ein Interview mit einem New Yorker, der kurz vor Einsturz der Türme mit einer U-Bahn unter ihnen herfuhr. Die erste Frage des Interviews lautete: „What is tomorrow“.
Der Bezug zwischen dem Zukunftsglauben der Weltausstellung Ende der 30er Jahre, in die dann der 2. Weltkrieg hinein brach zu einem erneut markanten Moment der Geschichte, dem 11. September, der in der Folge mindestens 2 Kriege auslöste und für viele eine Art Ende der unbeschwerten Zukunft bedeutete, spiegelt sich in der elektroakustischen Komposition wider.

Ianis Xenakis entwarf zusammen mit LeCorbusier das „Elektronische Gedicht für die Expo 1958 Brüssel. In dem Raum „Der mikroskopische Blick – Brüssel 1958“ hält der emeritierte Musikwissenschaftler Ulrich Maske einen Vortrag zu dem griechischen Mathematiker, Architekten und vor allem Komponisten.

Die Mezzosopranistin Edith Murasova und die Pianistin Elena Kassmann tragen Lieder von Edgar Vàrese vor.

Willem Schulz lässt sich im Raum „Aufbruch zu den Sinnen – Montreal 1967“ von Hugo Kükelhaus`Rotationsobjekte dazu animieren, Klänge mit dem Cello kreiselnd in die Luft zu schleudern.

Angelika Höger nimmt Bezug auf Arbeiten von Nikolaus Gansterer.
Seine großformatigen Zeichnungen, die als Rollbilder an der Wand
hängen, erinnern formal an Schulwandkarten. Die eher informell
anmutenden Zeichnungen benutzt Angelika Höger als Partitur. Sie
interpretiert die Bilder indem sie einzelne Elemente nachzeichnend in
Klang überträgt.
Auf Nikolaus Gansterers Kartenserie „Objects yet to become“ sind
kleine Skizzen zu sehen und kurze Texte mit Aufforderungen zu Aktionen
für kollektive und individuelle Ereignisse. Sie erinnern an
Fluxus-Partituren. Angelika Höger wird diese Karten als Ausgangspunkt
für partizipative Aktionen mit anwesenden Museumsbesuchern nehmen.

Ausgehend von der Kunst Hugo Kükelhaus‘ lädt Marcus Beuter zu einem Soundwalk ein. Er führt durch das Museum hinaus in die Umgebung. Kükelhaus sagte: „Nicht das Ohr hört, der Mensch hört“.
Länge: ca. 20 Minuten

Heidemarie Bhatti-Küppers nimmt Bezug auf das Thema „Träume von einer anderen Zukunft – Osaka 1970“, indem sie Hans-Magnus Enzensbergers Idee der Poesie-Automaten aufgreift.
Peter Schwieger bietet neben Robert Beers „Float“ einen Workshop für elektronische Klangerzeuger an.
Karl-Heinz Stockhausens „Aus den 7 Tagen“, die in Osaka über mehrere Monate immer wieder aufgeführt wurden, werden ausschnitthaft inszeniert.

Über die Arbeit mit den einzelnen Themen und Räumen hinaus nehmen die Mitglieder des Cooperativa Ensembles Bezug auf die Gehri-Architektur.
So wird Anke Züllich-Lisken ihr „Experiment für Sopran und Monochord“ durchführen:
3 bis 4 festgelegte Gegensatzpaare als Struktur einer experimentell ausgeführten Musik. Gespielt innerhalb der Ausstellung auf 3 Stationen, die noch ausgewählt werden müssen. Mit jedem Spiel etwas mehr eine Annäherung Richtung Komposition – bleibt dennoch bewusst eine experimentelle Musik.

Djamilija Keberlinskaja-Wehmeyer und Elena Kassmann geben ein Klavierkonzert:
1. Claude Debussy
-Six Épigraphes antiques (15 Min)
-Marche Ecossaise sur un theme populaire (6 Min)
2. Erik Satie
-Parade (11 Min)
-Trois Morceaux en forme de poire (14.43 Min)
3. Leo Smit
-Divertimento für Klavier zur vier Händen (14.03 Min)
Erwin Schulhoff
– Ironien für Klavier zur vier Händen (12.52 Min)
4.Boris Blacher
– Sieben Studien über variable Metren für Klavier (9.47 Min)
Ivan Spasov
-Sonate nr.1 (8.55)

Folgende Mitglieder des Cooperativa Ensembles sind an der Gesamtkomposition des Projektes „7 Stunden KLANG“ beteiligt:

• Edith Murasova – Mezzosopran, Vokale Animation
• Anke Züllich-Lisken – Sopran, Monochord
• Willem Schulz – Cello, Komposition und Improvisation
• Heidemarie Bhatti-Küppers – Sprache, Text
• Djamilija Keberlinskaja-Wehmeyer – Klavier
• Angelika Höger – kinetische Klangkunst
• Peter Schwieger – experimentelle Elektronik
• Marcus Beuter – fragmentrecordings, Elektronik
• Ulrich Maske – Musikwissenschaft