Jour fixe Juni

am 12. Juni 2017,
um 20 Uhr in der Capella hospitalis, Eintritt frei

„Kinder! Macht Neues!“ – Wagner, der Fortschrittliche.

Ein Erfahrungsbericht von Dr. Ulrich Maske

Das Bekenntnis zur Neuen Musik und zu Wagner ruft gegenwärtig eher Stirnrunzeln, wenn nicht Kopfschütteln hervor. Das ist durchaus verständlich.

Aber bei diesem Jour fixe soll es ausschließlich um Wagner den fortschrittlichen Komponisten von Zukunftsmusik, nicht nur für seine Zeitgenossen sondern auch für das 20. Und 21. Jahrhundert, gehen. Wagner wurde zu seiner Zeit als „Zukunftsmusiker“ abqualifiziert und in Karikaturen verspottet, so dass er 1861 in seiner Schrift „Zukunftsmusik“ diesen kritisch gegen ihn gebrauchten Begriff positiv aufgriff und seine Vorstellungen davon erläuterte.

Kaum zu überschätzen ist die Bedeutung der späten Werke Beethovens für Wagners Konzeption: „Beethovens 9. Symphonie ist das menschliche Evangelium der Kunst der Zukunft, zu der er uns den künstlerischen Schlüssel geschmiedet hat“, lautet seine Lobeshymne in seinem Essay „Kunstwerk der Zukunft“ (1851).

„Tristan und Isolde“, komponiert 1856-59, wird heute übereinstimmend als Beginn der modernen Musik angesehen, besonders eklatant durch die darin „ohrenfällig“ gewordene Emanzipation der Dissonanz sowie die extreme Ausweitung der Chromatik. Seine Vorgehensweise bei der Umwälzung der musikalischen Werte lässt sich auf die Formel bringen: Freiheit von und Rücksichtslosigkeit gegenüber tradierten Theorien und Praktiken, inklusive Überschreiten selbst der eigenen Systemgrenzen. Und das nicht in wohl dosierten Tabubrüchen, sondern, wie er in „Zukunftsmusik“ sagt: „…für die entscheidende Wahl seiner Ausdrucksmittel wird den Künstler nicht eigentlich die Reflexion, sondern immer mehr ein instinktiver Trieb bestimmen“.

Der Jour fixe am 12. 6. 2017 wird eine Auswahl von Fundstücken in Wagners Werken präsentieren, die exemplarisch die bleibende Originalität seiner Idee von Zukunftsmusik bestätigen, und das kombiniert mit Beispielen von Werken des 20./21. Jahrhunderts, die direkt oder indirekt Wagners Impuls zur permanenten Revolutionierung der Musik fortsetzen.

Jour fixe April

Jour fixe 03. April 2017

1. Conradiesische Abend
Ein Hörabend mit Gerd Lisken und Edith Murasova

Dr. Jürgen Conrady, der zu seinen Lebzeiten als Mitglied der Cooperativa in ungemein lebendiger und inspirierender Weise Zusammenhänge zwischen den Künsten wie auch zwischen der Natur und den kulturellen Schöpfungen der Menschheit aufzuzeigen vermochte, hat uns eine Botschaft hinterlassen:

Hört, schaut, fühlt genau hin.
Das Entdecken der Wunder dieses Lebens erzeugt den Sinn unseres Hierseins.
Ich gehe nun weiter.

Seine reichhaltige Sammlung an CDs neuer Musik und Kunstbüchern wurde der Cooperativa von der Familie Conrady großzügig überlassen. Hierfür sind wir überaus dankbar! Edith Murasova hat in ihrem Hause in der Bielefelder Rohrteichstraße einen Raum zur Verfügung gestellt, in dem mit diesem Material ein Archiv aufgebaut wird, das allen Interessierten zugänglich sein soll. Dr. Ulrich Maske und weitere Experten arbeiten zurzeit daran, die Schätze zu ordnen und digital zu registrieren. Perspektivisch können auch zukünftige Schenkungen das Archiv erweitern. Wir sind gespannt, was sich da entwickeln wird.

Jürgen Conrady erfand für die Vorbereitung seiner Vorträge eine liebenswerte Form: in hellen Stoffbeuteln sammelte er zu dem jeweiligen Thema diverse Materialien – Bücher, CDs, Zeitungsausschnitte und seine eigenen handgeschriebenen Gedanken, Verweise und Zeichnungen – und reihte sie hängend in seinem Keller auf. Diese Beutel haben wir samt Inhalt so belassen. Sie dokumentieren den ganz besonderen, forschenden Ansatz und die vertiefenden Ergebnisse seiner oft nächtlichen Arbeit.

Die Cooperativa beginnt nun die Verwirklichung der Idee, in unregelmäßigen Abständen sog. „Conradiesische Abende“ zu veranstalten, an denen ein oder mehrere Beutel neu gesichtet oder auch weitere Themen mit spartenübergreifendem Interesse von den jeweiligen Referenten aufgegriffen werden. Ganz im Sinne von Jürgen Conrady.

Jour fixe März

Jour fixe, 6. März, 20 Uhr
Capella hospitalis, Bielefeld, Teutoburger Str. 50

Elektroakustische Szenen
Arsalan Abedian – ein iranischer Komponist

In den Elektroakustischen Szenen gibt es 7 verschiedene akustische Szenarien, die sich nacheinander entfalten. Die Szenen wurden von den Tagebüchern zweier Personen – möglicherweise Komponisten – inspiriert.

Sie stellen in abstrakter Weise Situationen dar, die diesen zwei Persönlichkeiten in ihrem täglichen Leben in verschiedenen Ländern widerfahren. Ihre Leben sind geprägt von Nachrichten, persönlichen und globalen, die ihren Einfluss ausüben.

Das Stück ist in Csound geschrieben und befindet sich an der Grenze zwischen musique concrète und Hörspiel.

Arsalan Abedian wurde 1984 in Teheran geboren. Im Jahr 2007 absolvierte er an der Azad Universität einen Bachelor-Abschluss in Komposition und 2011 einen Master-Abschluss an der Kunst Universität Teheran. Im Jahr 2014 schloss er einen Master-Studiengang Komposition mit dem Schwerpunkt Elektronische Musik an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover ab und 2016 ebendort ein Konzertexamen in Komposition.

Abedian studierte u.a. bei Joachim Heintz, Oliver Schneller, Gordon Williamson und Ming Tsao.

Seine Werke sind geprägt von Zahlen und elektronischen Mitteln. Sie werden verstärkt durch sichtbare Aspekte mit einem Geschmack der Absurdität.

Jour fixe Februar

Mein 20. Jahrhundert – was (mir) von der modernen Musik bleibt.
Referent: Dr. Ulrich Maske

Der Mitbegründer der Cooperativa Neue Musik, Ulrich Maske, wird in sehr persönlicher Weise über 70 Jahre Leben mit einem Jahrhundert neuer Musik berichten: Wie er zu ihr fand; wie sich allmählich heraus kristallisierte, was (nicht nur für ihn?) bleibende Bedeutung behalten wird; was ihn mit diesen Komponisten verbindet; und alles natürlich mit wunderbaren Musikbeispielen. Insgesamt also eine Art Führung durch sein imaginäres Museum der Musik seit dem Jahr 1900 oder auch: eine kleine Geschichte der modernen Musik.
Montag, 6.Februar, um 20 Uhr,
Capella hospitalis, Teutoburger Str. 50

Jour fixe Januar

CON-FUSION
Stationen III – Neue Musik aus NRW

Stationen ist eine Zusammenarbeit von 9 Gesellschaften für Neue Musik in NRW und dem Landesmusikrat. Bei der 3. Ausgabe bilden Mitglieder des Neue Musik Ensemble Aachen, der Sinfonia Dortmund und von Ensemble Horizonte aus Detmold ein vielseitiges Projektensemble aus 20 Musikern, das neben Stücken von Iannis Xenakis und Manfred Niehaus Uraufführungen von Ulrich Schultheiß, Mijin Oh und Emanuel Wittersheim im Gepäck hat.
Das Konzert findet am Samstag, den 21.01. um 20 Uhr in der Zionskirche statt.
Der Leiter des Ensemble Horizonte, Jörg-Peter Mittmann, führt in das Konzert ein.

Montag, 09.01., 20 Uhr, Capella hospitlais
Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten

Jour fixe Dezember

Andi Otto
Unschärfen des Körpers in elektronischer Musik – Konzert und Diskussion

Mit den komplexen Optionen der Klanggestaltung in elektronischer Musik stellt sich für viele Musiker die Frage, was sie eigentlich auf der Bühne tun sollen, wenn sie für ein Konzert eingeladen werden. Das „Elektro-Instrumentale“ ist ein schillernder Begriff, der für diverse Konzepte zwischen Play-Buttons des DJs und komplexen interaktiven Setups stehen kann. Die Frage ist dabei, wie die Präsenz des musizierenden Körpers mit elektronischen Prozessen zusammengebracht werden kann, über welche Techniken und Metaphern eine Livesituation inszeniert wird, und welche ästhetische Bedeutung diese Entscheidungen haben können. Diese Fragen sollen gemeinsam diskutiert werden mit einem speziellen Blick auf die Rolle des Körpers, der einen Klang zur Aufführung bringt. Wie hören wir zu, wenn wir eine CD abspielen, wie, wenn sich ein Performer dazu bewegt, und wie, wenn der Performer die Klänge tatsächlich erzeugt?

Am Beispiel der Geschichte des STEIM in Amsterdam erläutert Andi Otto verschiedene Ansätze des Elektro-Instrumentalen. STEIM steht für „Studio for Electro-Instrumental Music“ – dort werden seit 1969 Instrumente entwickelt. Diese sind häufig Unikate, Experimente und Basteleien, aber auch aufwändige Projekte wie etwa „The Hands“ in den 1980er Jahren, in denen Hand-Sensoren Daten an Computer sendeten, um aus Gesten Klänge zu formen.

Sein eigenes Instrument „Fello“ hat Andi Otto am STEIM seit 2007 entworfen. Darin hat er den Cellobogen mit Sensoren erweitert, so dass die Gestik des Bogens und der Fingerdruck gemessen werden kann. Der verstärkte Celloklang lässt sich dadurch live modulieren und es entsteht ein komplex bespielbarer, instrumentaler Raum rund um das Cello. Andi Otto wird sein Instrument demonstrieren und Details und seine individuellen Ideen der Interaktion mit elektronischem Klang erläutern.

Andi Otto
ist Komponist und Performer elektronischer Musik, er lebt und arbeitet hauptsächlich in Hamburg.
Im Zentrum seiner künstlerischen Arbeit steht das selbstentwickelte Instrument „Fello“, eine elektronische Erweiterung des Cellobogens mit Bewegungssensoren. Er war Stipendiat an der „Villa Kamogawa“ in Kyoto und tourt international, wobei insbesondere die Musikkulturen Indiens und Japans ihre Spuren in seiner Musik hinterlassen. Er hat eine Doktorarbeit über das STEIM SensorLab verfasst (eine Pionierarbeit für experimentelle Musik-Interfaces aus den 80ern) und unterrichtet Kurse zur Praxis und Theorie elektronischer Musik an der Hochschule der Künste in Bern und der Humboldt Universität Berlin. Andi Otto ist Mitglied des Flinn-Works Theaterkollektivs in Berlin und komponiert für Film-, Theater- und Tanzproduktionen. Er hat seit 2004 vier Alben unter dem Künstlernamen „Springintgut“ veröffentlicht und verwendet seit 2015 seinen bürgerlichen Namen auch als Künstlernamen. Als DJ veranstaltet er regelmäßig Abende im Golden Pudel Club in Hamburg.
www.andiotto.com

Montag, 5.12., 20 Uhr, Capella hospitalis
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten

Jour fixe September

Die Zeitgenössische Musik im Iran, das Iran Festival in Hannover und das Konzert des Ensemble Hannover-Teheran in Bielefeld – Sharokh Khajenouri (Teheran) und Joachim Heintz (Hannover)

In Vorbereitung für das Konzert des Ensemble Hannover-Teheran am 22.9. im Haus Wellensiek wirft die Cooperativa Neue Musik einen Blick auf die zeitgenössische Musik im Iran.
Sharokh Khajenouri aus Teheran referiert über die Geschichte der zeitgenössischen Musik im Iran und deren Pioniere bis hin zu den jetzigen Aktivitäten.
Joachim Heintz von der Hannoverschen Gesellschaft für Neue Musik berichtet über das Festival Dastgah, das im September in Hannover stattfindet.
Im Jour fixe wird es auch eine kleine Einführung in das Konzert des Ensemble Hannover-Teheran geben, bei dem vier neue Stücke zeitgenössischer iranischer Komponisten aufgeführt werden.

Montag, 12. September 2016 Capella hospitalis 20:00 Uhr
Eintritt frei, Spenden erwünscht

Jour fixe Juli

Soundwalk
Ein Klangspaziergang mit Angelika Höger und Marcus Beuter

Die Geräuschmusik ist über 100 Jahre alt. Aber selten hören wir die uns umgebenden Geräusche als Musik. Soundwalks – geführte Spaziergänge zum Zuhören öffnen die Ohren für das, was wir im Alltag oft ausblenden.
Wie klingt ein Teil Bielefelds an einem Montagabend? Was hören wir, wenn wir schweigend in einer Gruppe durch die Straßen gehen? Gibt es versteckte Klänge zu entdecken? Gewöhnliche, die neu klingen?

Der Klangspaziergang startet am Montag, dem 4. Juli um 20 Uhr an der Capella hospitalis und endet dort gegen 22 Uhr. Bitte erscheinen Sie dem Wetter gemäß gekleidet.
Die Teilnahme am Soundwalk ist frei, um Spenden wird gebeten.

Jour fixe Juni

GegenKassettenWart

„Tapes sind generell nichts Besonderes. Tapes sind nie wirklich von der Bildfläche verschwunden, im Kontext von Szenen wie DIY Punk/Drone/Noise/Black Metal/Hip Hop etc. waren sie immer vorhanden bzw. ein grundlegendes Medium. Die Szenen in denen Tapes zirkulieren, sind für uns vielmehr interessant, jede von ihnen ist praktisch ein eigenes Universum für sich, aber gleichzeitig verwoben in ein Netzwerk von anderen Szenen.“ [Gravity’s Rainbow Tapes]
Das eindrucksvollste Mittel der Nachrichtenweitergabe aber sind die auf Kassette gespeicherten Reden Chomeinis. Aus den Minarett-Lautsprechern der rund 80 000 Moscheen ertönt die Stimme des „Zeichens Gottes“ und fordert zum unerbittlichen Kampf gegen den Schah auf. Bei Massenkundgebungen werden Kassettenrecorder an die Mikrophone gehalten, und wieder ist die – Stimme Chomeinis, des neuen Imam, zu hören. [Die Zeit, 5. Februar 1980]
„Tapes waren da das einzige Medium, worüber man an die meisten Veröffentlichungen herankam. Die Ost-Szene im Bereich von Punk, experimenteller und Kunst-Musik funktionierte ausschließlich nur über den Vertrieb und Tausch von Tapes, vorbei an dem damaligen staatlichen System. Die Herstellung von Tapes damals im Untergrund war von Illegalität geprägt und hat vielfach auch Repressionen nach sich gezogen.“ [Gravity’s Rainbow Tapes]
Montag, 6. Juni 2016, Capella hospitalis, 20:00 Uhr
Eintritt frei, Spenden erwünscht

Jour fixe Mai

Erhard Hirt – von der Liebe zu den langen Tönen

Erhard Hirt – Gitarrist, Improvisator, Autodidakt und Bluesmusiker gibt
einen Einblick in seinen musikalischen Werdegang, sowie in seine Tätigkeiten
als Kurator und Kulturorganisator in Münster.

Montag, 2. Mai 2016 Capella hospitalis 20:00 Uhr
Eintritt frei, Spenden erwünscht