Vorschau

04.11. Jour fixe: Adriana Hölzky von Edith Murasov
02.12. Jour fixe: Conradisischer Abend mit Heidemarie Bhatti-Küppers

Porträtkonzert Ketan Bhatti

30 Jahre Cooperativa Neue Musik

Kunsthalle Bielefeld, 30.09.2019, 19 Uhr

Das Konzert bestreitet das Ensembles Adapter (Berlin) erweitert mit Mitgliedern des Ensembles Brandt Brauer Frick (Berlin), das die jüngst entstandenen Kom­positionen Ketan Bhattis unter dem Titel „Nodding Terms“ im letzten Jahr einge­spielt hat. Das Label COL LEGNO hat das Album im April 2018 veröffent­licht.

Ketan Bhatti ist als Grenzgänger zwischen den Musikstilen sowohl in populären Spielarten der elektronischen Musik wie im Jazz als auch in der experimentellen, zeitgenössischen Musik zuhause. Sein genuines Interesse gilt aber dem Zwischenbereich, in dem sich klangliche Ereignisse nicht mehr einem bestimmten Genre oder einem bestimmten Stil zuordnen lassen. In seinem neuen Projekt verbindet der Komponist, Schlagzeuger und Produzent auf einzigartige Weise die nüchterne Kühle durchkomponierter Kammermusik mit der spielerischen Leich­tigkeit aktueller Clubmusik.
»Nodding Terms« heißt das Album, das nun entstanden ist. Der englische Begriff bezeichnet eigentlich flüchtige Bekanntschaften und verweist damit einerseits auf die soziale Komponente der involvierten Kooperationspartner: neben Paul Frick und Jan Brauer von Brandt Brauer Frick, die jeweils ihre Produktions- und Remix­künste mit einfließen lassen, sind vor allem die MusikerInnen des Berliner Ensemble Adapter maßgeblich für die zwischen irisierend schimmerndem Ensembleklang und trockenen 4/4-Grooves changierende Umsetzung der Stücke zuständig. Frick und Brauer haben ein klassisches Instrumentalstudium absol­viert, beschäftigen sich in ihrer alltäglichen Arbeit aber primär mit den Struktu­ren und Wirkweisen von Pop und Clubmusik; Ensemble Adapter ist eines der führenden Ensembles zeitgenössischer Musik in Berlin.

Mit mehreren Musiktheaterproduktionen an verschiedenen Häusern in ganz Deutschland und interdisziplinären Projekten hat Ketan Bhatti in den letzten Jah­ren ästhetische Impulse gesetzt, die mit den vorliegenden Kompositionen fort­gesetzt werden. Das Innovationspotential seines künstlerischen Schaffens strahlt somit weit über den Berliner Raum hinaus und hat als Motor neuer Entwick­lungen erhebliche Bedeutung.

Biographie

Ketan Bhatti, geboren in New Delhi, aufgewachsen in Bielefeld, studierte Jazz-Drums an der Universität der Künste in Berlin, wo er seit 2002 lebt.
Von 2010 bis 2012 war Bhatti Stipendiat der Graduiertenschule für die Künste und die Wissen­schaften der UdK Berlin unter der Betreuung von Daniel Ott (Komposition) und Gunter Gebauer (Philosophie).
Als Schlagzeuger spielte Bhatti bei diversen Bands wie etwa bei Cyminology, die persische Lyrik in kammermusikalischen Jazz übersetzt, und dem Brandt Brauer Frick Ensemble, das Techno mit klassischen Instrumenten spielt.
2013 initiierten Ketan Bhatti und Cymin Samawatie das Kammerorchester Divan der Kontinente, das sich aus Instrumentalisten der Berliner Philharmoniker sowie Musikern aus Syrien, Japan, China, Israel, Sibirien, dem Libanon und der Türkei zusammensetzt, und u.a. auf dem Jazzfest Berlin 2015 gastierte.
Ketan Bhattis enge Zusammenarbeit mit dem Berliner-Isländischen Ensemble Adapter führte zu einer Reihe von Uraufführungen im Rahmen des Wien Modern Festivals 2015 zum Thema Groove und Neue Musik.
Als Komponist von Theatermusik arbeitet Ketan Bhatti seit 2003 mit seinem Bruder Vivan Bhatti regelmäßig für die Inszenierungen des Regisseurs Nuran David Calis u.a. am Deutschen Theater Berlin, Schauspiel Köln, Thalia Theater Hamburg oder für die Nibelungenfestspiele Worms.
Seit 2009 produzieren und komponieren die Bhatti-Brüder die Musik zu den Pro­duktionen der international tourenden Berliner Breakdance Gruppe Flying Steps. Die gemeinsame Produktion Flying Bach wurde mit dem Echo Klassik Sonderpreis 2010 ausgezeichnet. Die aktuelle Produktion „Flying pictures“ erlebte jüngst über 40 Aufführungen im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin. Die aus diesem Anlass entstandene Neukomposition der „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgsky ist im April 2019 bei Sony Classical erschienen.
Ketan und Vivan Bhattis Musiktheaterstücke basieren auf Kooperationen mit Autoren wie Feridun Zaimoglu oder Roland Schimmelpfennig, stellen Fragen zu Integration und Ausgrenzung und wurden z.B. an der Neuköllner Oper oder der Tischlerei der deutschen Oper Berlin aufgeführt.
Im Tanztheaterbereich arbeitete Ketan Bhatti mit den Choreografen Davide Camplani (Sascha Waltz & Guests) für ein inklusives Tanztheater mit Menschen mit Down-Syndrom und mit Kadir Amigo Memis für ein Stück über heutige Jugendkultur in sozialen Brennpunktmilieus zusammen.
Ihr Spielfilm-Musikdebüt gaben Ketan und Vivan Bhatti 2010 mit der Filmmusik zu Frühlingserwachen, gefolgt von der Woyzeck-Verfilmung 2013. Der Film „Glück ist was für Weicheier“ mit der Filmmusik von Vivan und Ketan Bhatti hatte im Oktober 2018 als Eröffnungsfilm der 52. Internationalen Hofer Filmtage Premiere.

Preise und Auszeichnungen
Ketan Bhatti blickt auf Stipendien und Auszeichnungen des Deutschen Musikrats, des Berliner Senats und des Goethe-Instituts zurück. Als Komponist eines mit Simon Stockhausen aufgeführten Konzerts für Jazz und Neue elektronische Musik wurde Bhatti 2008 mit dem Karl-Hofer-Preis ausgezeichnet. 2017 war er Stipen­diat der Kulturakademie Tarabya in Istanbul. Das preisgekrönte Istanbuler Hezarfen Ensemble spielte Werke Ketan Bhattis, die er eigens für das Ensemble arrangierte. Die Aufführung dieser Kompositionen fand mit großem Erfolg im November 2017 in Istanbul statt.

Jour fixe Juli

Acuisha – Klanginstallation

Marcus Beuter ist im vergangenen Winter im Rahmen einer Künstlerresidenz in Bolivien im oberen Amazonsabecken gewesen. Aus seinen Aufnahmen entstand die 4-Kanal-Installation Acuisha.
Sie wird erstmalig am 12.7. zur Nacht der Klänge an der Universität Bielefeld zu hören sein.
Im Jour fixe stellt Marcus Beuter die Klanginstallation vor und berichtet von seinen Erfahrungen und Herausforderungen, um in den Regenwald zu gelangen.

Acuisha ist ein Wort aus dem Ese Ejja, einer indigenen Sprache im Amazonasbecken Boliviens. Es bedeutet der Dorn / der Stachel.

Montag, 1.7.19, 20 Uhr, Capella hospitalis
Eintritt frei, Spende erbeten

subversiv am Hauptbahnhof Osnabrück

subversiv
Klanginstallationen am Hauptbahnhof Osnabrück
28.5. bis 24.6. 2019
Eröffnung: Dienstag, 28.5. 18 Uhr

Ab Dienstag, den 28.5. um 18 Uhr wird die Klanginstallation subversiv am Eingang des Hauptbahnhof Osnabrück zu hören sein.
Zur Eröffnung spielt das Cooperativa Ensemble live und leitet direkt in die Installation über.

Die Klanginstallation subversiv wird in 2019 an 3 Orten in Osnabrück realisiert.

Die Mitglieder des Cooperativa Ensembles haben nach einer Konzeption von Willem Schulz Materialien für die Installationen eingespielt. Die Komposition für 6 Lautsprecher erstellte Marcus Beuter.
Das Konzept basiert auf unterschiedlichen Assoziationen, wie Düfte, Schwärme, Winde, aber auch Unbekannte Sprachen oder Punkte und Linien sind Themen.

Das Ensemble verfügt über ein breites musikalisches Spektrum: diverse Instrumente, Gesang, Text und Elektronik bringen Klänge verschiedenster Art ein.
Die Besetzung im Einzelnen:
Edith Murasova – Stimme
Anke Züllich-Lisken – Monochord
Heidemarie Bhatti-Küppers – Text
Reinhold Westerheide – Gitarre
Stefan Kallmer – Klarinette
Willem Schulz – Cello
Gerd Lisken – Klavier
Angelika Höger – Kinetische Klangkunst
Peter Schwieger – Synthesizer, Electronics, Toys
Marcus Beuter – Laptop, Field Recordings

Gefördert durch den Landschaftsverband Osnabrücker Land und die Stadt Osnabrück

Jour fixe Mai: Komponistinnen der Gegenwart II – Rebecca Saunders

II. Rebecca Saunders (*1967). Referat: Ulrich Maske

Die aus London stammende Rebecca Saunders (*1967) lebt seit 25 Jahren in Berlin. Nach dem Kompositionsstudium bei Nigel Osborne in Edinburg und Wolfgang Rihm in Karlsruhe ist sie seit Mitte der 90er Jahre frei schaffende Komponistin und seit 2011 Professorin für Komposition an der Musikhochschule in Hannover. Sie ist Mitglied der Berliner und der Sächsischen (in Dresden) Akademie der Künste und wurde Anfang dieses Jahres mit dem Ernst von Siemens-Musikpreis, quasi dem Musik-Nobelpreis, ausgezeichnet, der mit 250.000 EUR dotiert ist.

Die 51jährige Rebecca Saunders ist inzwischen bei Kennern der Neuen Musik eine hoch geschätzte Komponistin, – die Menge an Aufrufen ihrer Musik bei Youtube kann dafür als Gradmesser dienen. Hochspannung und Dramatik kennzeichnet diese Musik, paradoxer Weise häufig ausgelöst durch Phasen der Stille im Klanggeschehen, welche das dann Folgende als um so heftigere Ausbrüche erscheinen lassen. Der Gegenpol sind ruhige, fast schon melancholische Abschnitte, mit denen einige ihrer Stücke dann auch zu Ende gehen. Obwohl absolute Musik, scheint diese dennoch zum Musikdramatischen zu tendieren. Vielleicht/hoffentlich kann die Musikwelt von ihr die Oper des abstrakten Exressionismus erwarten – als solchen lässt sich ihre Musik m.E. charakterisieren. Der Jour fixe wird anhand von Klangbeispielen dieser in jeder Hinsicht vielseitigen, komplexen, aber eben auch von gegensätzlichen Emotionen gezeichneten Musik und ihrer Schöpferin nachspüren.

Montag, 6. Mai, 20 Uhr, Capella hospitalis
Eintritt frei, Spenden erwünscht

Jour fixe April: Komponistinnen der Gegenwart I – Isabel Mundry

Im Rahmen der Jours fixes beginnen wir eine spezielle Reihe:
Komponistinnen der Gegenwart – Leben und Werk. Unten sind die beiden ersten Termine angezeigt. Weitere sind geplant. Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 20 Uhr in der Capella hospitalis, Teutoburger Str. 50. Eintritt ist frei, Spenden werden erbeten.

I. Isabel Mundry (*1963). Referat: Edith Murasova
Isabel Mundry (*1963) ist eine der interessantesten Komponistinnen der Gegenwart. Sie studierte Komposition bei Frank Michael Beyer und Gösta Neuwirth an der Hochschule der Künste Berlin und bei Hans Zender an der Hochschule für Musik Frankfurt am Main. 1994 belegte sie einen Kurs für Musikinformatik am IRCAM in Paris.
Von 1986 bis 1993 unterrichtete Mundry Musiktheorie und Analyse an der Berliner Kirchenmusikschule und an der Hochschule der Künste Berlin. 1996 übernahm sie eine Professur für Komposition und Musiktheorie an der Musikhochschule Frankfurt. Seit 2004 ist sie Professorin für Komposition an der Zürcher Hochschule der Künste. Zusätzlich übernahm sie zum Studienjahr 2011/12 eine halbe Kompositionsprofessur an der Hochschule für Musik und Theater München. Mundrys Werke zeichnen sich durch eine individualisierte und differenzierte, in sich variantenreiche und nuancierte Musiksprache aus: „Wiederholt wird in Mundrys Kompositionen so gut wie nichts; dasselbe gerät immer anders.“ International bedeutende Orchester und Ensembles haben Mundrys Werke aufgeführt. Ihr Musiktheater Ein Atemzug – Odyssee wurde an der Deutschen Oper Berlin im September 2005 uraufgeführt. Diese Produktion wählte die Kritikerjury der Fachzeitschrift Opernwelt zur „Uraufführung des Jahres 2006“. (Wikipedia)
Mundry komponiert unter anderem unter dem Eindruck der Prozesszeit Debussys, der Polyphonie Dufays und dem offenen Zeitbegriff Cages. In ihren Arbeiten verbinden sich komplexe Polyphonie, asynchrone Zeitverläufe und computergestützte Progressionsreihen zu einem poetischen Leuchten musikalischer Verläufe. Bestandteil des Vortrags sind u. a. Ausschnitte aus der CD „Isabel Mundry -Le Silence-Tystnaden“, eingespielt vom Klangforum Wien, sowie Teile aus der Auftragskomposition „Endless sediments “ (Uraufführung 2018, WDR Sinfonieorchester Köln).

1. April, Capella hospitalis, Teutoburgerstr. 50 um 20.00 h

Nachruf für Gerd Lisken

GERD LISKEN (1928-2018)

NACHRUF

Foto: Maria Otte

1960 kam ein junger Dozent für das Fach Musik an die Bielefelder Pädagogische Hochschule: Gerd Lisken (1928-2018). Er blieb dort bis zu seiner Pensionierung 1993, seit 1968 als Professor, „Die 33 Jahre im Hochschuldienst waren eine gute Zeit, denn meine vielseitigen Begabungen wurden gebraucht“, meinte er einmal.

Er lebte und wirkte danach weiter in Bielefeld, bis zu seinem Tod als Neunzigjähriger am 26. Mai 2018. Insgesamt also 58 erfüllte Jahre in Bielefeld! Dabei stammte er vom Niederrhein, aus Moers, wo er 1928 in eine musikalische Familie geboren wurde, aus der schon in der 4. Generation Musiker und Musikerinnen hervorgegangen waren. Ab dem 8. Lebensjahr bekam er Klavierunterricht, mit 14 Jahren kam das Cello hinzu und nach 1944 die Orgel, weil das Klavierspiel durch die kriegsbedingte Zerstörung des Elternhauses unterbrochen werden musste.

So war es keine Frage, dass Gerd Lisken 1947 an die Musikhochschule Trossingen ging, um auf Druck seines Vaters Schulmusik zu studieren („das war in der damaligen Wirtschaftslage sicher vernünftig“). 1951 wurde Trossingen geschlossen und er verlor damit auch die Aussicht auf eine Assistenz

bei seinem Kompositionslehrer, Prof. Helmut Degen, und damit auf eine eventuelle Hochschullaufbahn. In Köln setzte er dann sein Schulmusikstudium fort und unterrichtete nach seinem Examen 6 Jahre am Rethelgymnasium in Düsseldorf Musik und Religion.

Hautnah erlebte er dann an seinem neuen Wirkungsort Bielefeld die 68er-Bewegung mit, die bald von den Hochschulen auch in die Stadt überschwappte.

Er fühlte sich in seinem politischen Engagement herausgefordert und entdeckte als Komponist und Improvisator die politisch-sozialreformerische Seite seiner künstlerischen Begabung: Unvergessen sind seine Auftritte auf Demos, Sitzstreiks und Sit-Ins, wenn er Agitpropsongs, Bänkellieder, selbstgedichtete Chansons kabarettreif mit seiner wunderschönen Baritonstimme sang und sich dabei selbst begleitete.

Seine ungewöhnlich herzliche, anregende, offene, ja mitreißende Wesensart animierte unzählige seiner Studenten und privaten Klavierschüler, selbst musikalisch aktiv und kreativ zu werden, so dass heute nicht wenige in der professionellen Musikerszene zu finden sind.

Anfang der 70er Jahre entdeckte Gerd Lisken die Freie Improvisation. Lilli Friedemann aus Hamburg war damals in Deutschland eine bedeutende Geigerin, die sich vehement für die Kollektiv-Improvisation einsetzte. Hier bekam Lisken wichtige Impulse für seine Lehrtätigkeit, die das Herangehen an Musik von einer völlig neuen Seite ermöglichte. So entstand z.B. in der PH das legendäre „Chaos-Orchester“ sowie das „Vokal-Quadrat“, in dem viele Generationen von Studierenden grundlegende und neue Erfahrungen machen konnten und so manche Aktion fand dann schon mal in der U-Bahn oder im Wald statt.

Neben dem pädagogischen Ansatz entwickelte er auch den künstlerischen: vor 48 Jahren gründete er zusammen mit seiner Frau Anke Züllich-Lisken und Willem Schulz das“ Trio Dekadenz“. In unzähligen Auftritten experimentierten sie frei mit Klängen und Interaktionsformen. Was kommt aus mir heraus, wie hört sich das an, wie berühren uns Klänge, was lösen sie aus, wie formt sich aus dem Augenblick eine Musik, die stimmig und somit gut ist? Wichtige Fragen der schöpferischen Musikausübung, die das Trio neben Konzerten auch in Workshops mit jungen Musikern praktisch anging.

In den letzten 2 Jahren entstand außerdem das Trio WEGULI, in dem er mit Reinhold Westerheide und Andreas Gummersbach zwischen Bach und freier Musik virtuos neue Verbindungen suchte.

Gerd Lisken trat aber auch solistisch auf: mit unbändiger Freude operierte er am und im Flügel neben der üblichen Spielweise mit allerlei Utensilien wie Holzstäbchen, Besen, Gläsern, Kugeln, Filzschlegeln. Sirrende, ratschende, wummernde und klirrende Klänge erweiterten das Spektrum. Ebenso flossen Kinderlieder, Jazzfiguren, Minimalstrukturen, Pentatonik oder barocke Polyphonie in seine Musik ein. Gerd Lisken stand authentisch zu seiner Vielseitigkeit.

Als Komponist schuf Lisken vor allem Kammermusik und Chorwerke, die im Hans-Sikorski-Verlag veröffentlicht wurden. Für ein Chorwerk bekam er 1999 den Carl von Ossietzky – Kompositionspreis der Universität Oldenburg. Er schrieb aber auch eine große Anzahl an Liedern, die er z.B. in seinem Soloprogramm „In den alterslosen Seen“ vortrug und auf der CD „Meine Lieder“ aufnahm. Hier wird sein Interesse an ambitionierten Texten deutlich. Rose Ausländer, Inge Müller und auch er selbst erzählen von Liebe, dem Jenseits und dem großen Licht, aber auch von dem ganz normalen Irrsinn.

Letzteres hatte er in einer Tournee mit seinem alten Schulfreund Hans-Dieter Hüsch bereits auf die Spitze getrieben.

1989 gehörte er mit einer Handvoll weiterer, für moderne Musik begeisterter Bielefelder zu den Gründern des Vereins „Cooperativa Neue Musik“. Es war ihm ein Herzensanliegen, mit Rat und Tat die Musik des 20. Jahrhunderts in Bielefeld zu fördern, einige Jahre zusammen mit Anke Züllich-Lisken auch als Vorsitzende und bis zu seinem Tode als Mitglied des Programmbeirates.

Als Krönung seines musikalischen Wirkens empfand er darüber hinaus die Gründung des „Cooperativa-Ensembles“ 2015, in dem sich – je nach Programm – bis zu einem Dutzend Instrumentalisten, Sound-Artists, Sängerinnen und Sprecherinnen zusammen finden.

So wurden im Programm „Erfüllte Augenblicke“ seine Kompositionen „Aria“ und „Schmetterling“ aufgeführt. Ebenso interpretierte er das Nachtstück von Jörg Widmann oder wie bei seinem letzten Ensemble-Konzert mit „Dekadenz plus“ im November 2017 in der Kunsthalle Bielefeld „Elis“ von Heinz Holliger. Für die Uraufführung „5 Seen“ Anfang April in der Rudolf-Oetker-Halle hatte er seinen Klavierpart bereits einstudiert, konnte dann aber auf Grund seiner Erkrankung nur noch als Zuhörer teilnehmen.

Gerd Lisken war zudem ein begeisterter und unermüdlicher Hörer, der es verstand, die Musikerinnen und Musiker in ihrem jeweiligen Tun anzuerkennen und zu unterstützen. Man traf ihn in den verschiedensten Genres der Musikwelt, sei es in Symphoniekonzerten in der Oetkerhalle, in der Oper, unbedingt in jeglichen Neue-Musik-Konzerten, in Jazz-Abenden des Bunkers, in den genreübergreifenden Veranstaltungen der Capella hospitalis oder in Weltmusikkonzerten.

Für seine vielfältigen Aktivitäten und Verdienste wurde ihm 2009 der Bielefelder Kulturpreis verliehen.

Allen, die sein erfülltes Leben punktuell oder längerfristig begleiten durften, wird er ein unvergesslicher Teil ihres Lebens bleiben.

Die Trauerandacht findet am 5. Juni um 12 Uhr in der Stiftskirche in Schildesche statt.

Jour fixe März

Einführung zu Eine Lange Nacht Musik

Am Montag, dem 05.03.2018 findet um 20 Uhr im Rahmen des Jour fixe der Cooperativa Neue Musik eine Einführung in die große Bielefelder Konzertnacht unter dem Titel „Eine Lange Nacht Musik“ statt. Ort der Einführung ist die Capella hospitalis, Teutoburgerstr. 50.

In dem Jour fixe stellen Willem Schulz und Marcus Beuter ausführlich die Künstlerinnen und Künstler sowie deren einzelne Programme vor.

„Eine Lange Nacht Musik“ präsentiert am Samstag, dem 7. April von 16 – 24 Uhr in der Rudolf-Oetker-Halle 7 sehr unterschiedliche Konzerte im Spektrum der aktuellen Musik. 8 Stunden lang spielen Expertinnen und Experten der Neuen Musik in Solo-, Duo- und Ensemble-Formationen Programme von 30-40 Minuten Länge. Jeweils anschließend wird ein Publikumsgespräch angeboten, moderiert von der Textkünstlerin Anna Bella Eschengerd. Pausen zwischen den Konzerten laden ein zu Kommunikation, Entspannung, Essen und Trinken.

Zu Beginn spielt die Akkordeonistin Mirjana Petercol aus Wiesbaden die 12 Tierkreiszeichen von Karlheinz Stockhausen (1928 – 2007) im Wechsel mit 12 Sternbildern des Barockkomponisten Johann Abraham Schmierer (1661-1719).

Der bekannte Bielefelder Gitarrist und Schlagzeuger Reinhold Westerheide schließt an mit Werken für Gitarre und Zuspielbändern von Steve Reich, Mike Starobin sowie einem eigenen Werk.

Die junge Kölner Saxofonistin Fanja Raum inszeniert den Raum mit neuen Stücken für Sopran- und Altsaxofon solo diverser zeitgenössischer Komponisten wie auch mit freien Improvisationen.

Carsten Schneider aus Berlin ist Klang-Minimalist: er dekonstruiert den Deutschlandfunk und setzt ihn nach künstlerischen Gesichtspunkten penibel neu zusammen. Aus dem Atem der Sprecher eines Tages oder aus Gefahrenmeldungen eines ganzen Jahres entstehen neue Hörstücke und Klanggedichte.

„5 Seen“ für Guzheng, Sanxian, chinesischen Gesang und ein Neue-Musik-Ensemble ist eine inszenierte Raum-Komposition von Xu Fengxia und Willem Schulz, ein Auftragswerk des Landesmusikrates NRW. Die Uraufführung dieser Co-Komposition realisieren die Komponisten zusammen mit dem Cooperativa Ensemble aus Bielefeld.

Angelika Sheridan und Frank Niehusmann bilden das Kölner Projekt STROM. Mit diversen Querflöten und Live-Elektronik kreieren sie ungemein rhythmische und spektrale Klanggebilde.

Den Abschluss bildet der Berliner Pianist Jan Gerdes. Sein Thema sind „Nachtstücke“ – ein Programm mit Klaviermusik von George Crumb, Salvatore Sciarrino und Robert Schumann.

Die Lange Nacht Musik wird durch die Hanns-Bisegger-Stiftung und das Kulturamt Bielefeld gefördert.

Der Eintritt zum Jour fixe am 5. März ist frei, um eine Spende wird gebeten.

Der unendliche Klang

Zu einem außergewöhnlichen Klangereignis lädt die Cooperativa Neue Musik ein. Nach einer Idee des amerikanischen Komponisten La Monte Young wird sich über den permanent erklingenden Grundklang einer tiefen Quinte eine zeitlich unbegrenzte meditative Kollektivimprovisation aller Teilnehmer entfalten, die sich an den Tönen der Quinte und deren Oktavierungen orientiert. Rhythmen sollen nur als lebendige Atemrhythmen auftauchen, jedoch nicht als metrische Gliederungen. Dieses Konzept richtet sich an Vokalisten, Streicher, Bläser, Zungeninstrumente (shruty-Boxen, Akkordeon) und an elektronische Instrumente. Natürlich sind auch Zuhörer/innen herzlich willkommen, wobei eine mögliche Meditation durch Sitzkissen oder Decken
gefördert werden könnte (bitte mitbringen).
Die Organisation liegt in den Händen von Gerd Lisken
Zeit: Montag, 19. Februar, 20 Uhr Ende offen
Ort: Thomaskirche der Christengemeinschaft
Bielefeld-Schildesche, Westerfeldstr. 46 (Ecke Erdsiek)
Straßenbahn Linie 1, Endstation Schildesche, 5 Minuten Fußweg; Apfelstr. talwärts

Mitgliederversammlung

Die alljährliche Mitgliederversammlung der Cooperativa Neue Musik findet am 9. Januar 2018 um 20.00 Uhr in der Capella hospitalis, Teutoburgerstr. 55 statt.

Als besondere Attraktion wird das Cooperativa – Ensemble eine Auswahl von Werken und Improvisationen aus verschiedenen Konzertprogrammen 2017 im Lauf der Tagesordnung einstreuen. Außerdem zeigt eine Fotodokumentation die Live-Bespielung zur Eröffnung der Klanginstallation in Lemgo.