Jour fixe 2017

04. Dezember
Pauline Oliveros – Der lange Weg des Hörens

Pauline Oliveros (1932 – 2016), Musikerin und Komponistin ist durch mehrere ihrer Lebensstationen bekannt geworden. Sie war eine frühe Protagonistin der improvisierten Musik, experimentierte mit elektronischer Musik, arbeitete am richtungsweisenden San Francisco Tape Music Center und war schließlich Mitbegründerin des Deep Listening Institutes, dem sie bis zu ihrem Tod aktiv verbunden war.
Pauline Oliveros lebte ihr Leben lang für das Hören und Zuhören.
Ein Jour fixe zu ihrem Leben mit Musikbeispielen und einer Einführung in das Deep Listening.
Gestaltet von Marcus Beuter.

06. November
Donaueschinger Musiktage 2017

Ein Bericht mit Musikbeispielen
Referent: Ulrich Maske

Die Cooperativa Neue Musik lädt herzlich zum nächsten Jour fixe am Montag, 6. November, um 20 Uhr, in die Capella hospitalis. Dort wird als Referent Dr. Ulrich Maske mit vielen Musikbeispielen von den Donaueschinger Musiktagen 2017 berichten. Das 1921 gegründete Festival für aktuelle Musik bietet an einem Wochenende in 6 Konzerten rund 20 Uraufführungen neuester Musik. Natürlich ist das eine geistige wie körperliche Herausforderung. Aber auch eine große Chance, in kompakter Form die frisch komponierten Werke von Komponistinnen und Komponisten aus aller Welt hören und sich dabei ein Bild machen zu können von den Tendenzen in der gegenwärtigen Musik. Die uraufgeführten Werke waren in diesem Jahr (für den Referenten) teilweise recht enttäuschend: Wir erleben anscheinend wieder einmal eine „Postmoderne“ – die wievielte eigentlich, seit Richard Strauss nach der „Elektra“ (1909) den „Rosenkavalier“ (1911) etc. komponierte? Manche der Stücke könnten in Bad Salzuflen mit Erfolg im Kurkonzert erklingen oder als Eintrittskarte für die Filmmusikindustrie Hollywoods gelten. Aber es gab auch einige moderne, neuartige Kompositionen zu erleben, die eher den Idealen der Avantgarde in den Gründerjahren Donaueschingens (Hindemith, Bartòk, Schönberg, Berg, Webern) entsprachen

02. Oktober
Hörabend im Jürgen-Conrady-Archiv

Die Cooperativa Neue Musik lädt ein zu einem Hörabend im Jürgen-Conrady-Archiv. Einzelne Musikstücke werden vorgestellt und besprochen.

06. September
Zwischen Funktion und Freiheit: Überlegungen zur (zeitgenössischen) Kirchenmusik
Kantor Christof Pülsch referiert unter der Überschrift „Zwischen Funktion und Freiheit: Überlegungen zur (zeitgenössischen) Kirchenmusik“.

Christof Pülsch studierte ev. Kirchenmusik und Orgel in Detmold und Piteå (Schweden) und ist seit 2006 Kirchenmusiker der Zionsgemeinde Bethel. Er leitet mehrere Chöre und verantwortet an der Zionskirche neben der liturgischen Musik eine umfangreiche Konzertreihe, in deren Rahmen er auch regelmäßig als Organist konzertiert. Dabei spielt die zeitgenössische Musik eine wichtige Rolle. Im Januar 2017 veranstaltete er erstmalig das Neue-Musik-Festival FRAKZIONEN.

03. Juli
subversiv
Jour fixe zu den Klanginstallationen im öffentlichen Raum

Das Cooperativa Ensemble realisiert in 2017 an 3 Orten der OWL-Region Klanginstallationen im öffentlichen Raum. Deutlich unterschiedliche Orte werden über mehrere Wochen klanglich subtil verändert, um Passanten zu neuen Erfahrungen auf ihren alltäglichen Wegen zu inspirieren.

Klanginstallationen bieten die Möglichkeit über einen längeren Zeitraum Orte zu verändern, so dass diese von den Menschen neu wahrgenommen werden können.

Sie haben künstlerisch besondere Qualitäten: Kunst wird öffentlich gemacht und ist jedermann zugänglich. Die Klang-Intervention wird in einem sich ändernden akustischen Umfeld immer wieder anders erlebt: mal regnet es, mal gibt es heftigen Verkehrslärm, mal ist es still.

Die Mitglieder des Cooperativa Ensembles haben nach einer Konzeption von Willem Schulz Materialien für die Installationen eingespielt. Die Komposition für 6 Lautsprecher erstellt Marcus Beuter.

Das Konzept basiert auf unterschiedlichen Assoziationen: Düfte, Schwärme, Regen, aber auch Chaos oder Punkte und Linien sind Themen.

Das Ensemble verfügt über ein breites musikalisches Spektrum: diverse Instrumente, Gesang, Text und Elektronik bringen Klänge verschiedenster Art ein.

Die Besetzung im Einzelnen:
Edith Murasova – Stimme
Anke Züllich-Lisken – Stimme, Geige
Heidemarie Bhatti-Küppers – Text
Reinhold Westerheide – Gitarre
Stefan Kallmer – Klarinette
Willem Schulz – Cello
Gerd Lisken – Klavier
Angelika Höger – Kinetische Klangkunst
Peter Schwieger – Synthesizer, Electronics, Toys
Marcus Beuter – Laptop, Field Recordings

Im Jour fixe werden Klanginstallationen im Allgemeinen, das hier entwickelte Konzept sowie die geplanten Orte vorgestellt.
Referent: Marcus Beuter

12. Juni
„Kinder! Macht Neues!“ – Wagner, der Fortschrittliche.

Ein Erfahrungsbericht von Dr. Ulrich Maske

Das Bekenntnis zur Neuen Musik und zu Wagner ruft gegenwärtig eher Stirnrunzeln, wenn nicht Kopfschütteln hervor. Das ist durchaus verständlich.

Aber bei diesem Jour fixe soll es ausschließlich um Wagner den fortschrittlichen Komponisten von Zukunftsmusik, nicht nur für seine Zeitgenossen sondern auch für das 20. Und 21. Jahrhundert, gehen. Wagner wurde zu seiner Zeit als „Zukunftsmusiker“ abqualifiziert und in Karikaturen verspottet, so dass er 1861 in seiner Schrift „Zukunftsmusik“ diesen kritisch gegen ihn gebrauchten Begriff positiv aufgriff und seine Vorstellungen davon erläuterte.

Kaum zu überschätzen ist die Bedeutung der späten Werke Beethovens für Wagners Konzeption: „Beethovens 9. Symphonie ist das menschliche Evangelium der Kunst der Zukunft, zu der er uns den künstlerischen Schlüssel geschmiedet hat“, lautet seine Lobeshymne in seinem Essay „Kunstwerk der Zukunft“ (1851).

„Tristan und Isolde“, komponiert 1856-59, wird heute übereinstimmend als Beginn der modernen Musik angesehen, besonders eklatant durch die darin „ohrenfällig“ gewordene Emanzipation der Dissonanz sowie die extreme Ausweitung der Chromatik. Seine Vorgehensweise bei der Umwälzung der musikalischen Werte lässt sich auf die Formel bringen: Freiheit von und Rücksichtslosigkeit gegenüber tradierten Theorien und Praktiken, inklusive Überschreiten selbst der eigenen Systemgrenzen. Und das nicht in wohl dosierten Tabubrüchen, sondern, wie er in „Zukunftsmusik“ sagt: „…für die entscheidende Wahl seiner Ausdrucksmittel wird den Künstler nicht eigentlich die Reflexion, sondern immer mehr ein instinktiver Trieb bestimmen“.

Der Jour fixe am 12. 6. 2017 wird eine Auswahl von Fundstücken in Wagners Werken präsentieren, die exemplarisch die bleibende Originalität seiner Idee von Zukunftsmusik bestätigen, und das kombiniert mit Beispielen von Werken des 20./21. Jahrhunderts, die direkt oder indirekt Wagners Impuls zur permanenten Revolutionierung der Musik fortsetzen.

03. April
1. Conradiesische Abend

Ein Hörabend mit Gerd Lisken und Edith Murasova

Dr. Jürgen Conrady, der zu seinen Lebzeiten als Mitglied der Cooperativa in ungemein lebendiger und inspirierender Weise Zusammenhänge zwischen den Künsten wie auch zwischen der Natur und den kulturellen Schöpfungen der Menschheit aufzuzeigen vermochte, hat uns eine Botschaft hinterlassen:

Hört, schaut, fühlt genau hin.
Das Entdecken der Wunder dieses Lebens erzeugt den Sinn unseres Hierseins.
Ich gehe nun weiter.

Seine reichhaltige Sammlung an CDs neuer Musik und Kunstbüchern wurde der Cooperativa von der Familie Conrady großzügig überlassen. Hierfür sind wir überaus dankbar! Edith Murasova hat in ihrem Hause in der Bielefelder Rohrteichstraße einen Raum zur Verfügung gestellt, in dem mit diesem Material ein Archiv aufgebaut wird, das allen Interessierten zugänglich sein soll. Dr. Ulrich Maske und weitere Experten arbeiten zurzeit daran, die Schätze zu ordnen und digital zu registrieren. Perspektivisch können auch zukünftige Schenkungen das Archiv erweitern. Wir sind gespannt, was sich da entwickeln wird.

Jürgen Conrady erfand für die Vorbereitung seiner Vorträge eine liebenswerte Form: in hellen Stoffbeuteln sammelte er zu dem jeweiligen Thema diverse Materialien – Bücher, CDs, Zeitungsausschnitte und seine eigenen handgeschriebenen Gedanken, Verweise und Zeichnungen – und reihte sie hängend in seinem Keller auf. Diese Beutel haben wir samt Inhalt so belassen. Sie dokumentieren den ganz besonderen, forschenden Ansatz und die vertiefenden Ergebnisse seiner oft nächtlichen Arbeit.

Die Cooperativa beginnt nun die Verwirklichung der Idee, in unregelmäßigen Abständen sog. „Conradiesische Abende“ zu veranstalten, an denen ein oder mehrere Beutel neu gesichtet oder auch weitere Themen mit spartenübergreifendem Interesse von den jeweiligen Referenten aufgegriffen werden. Ganz im Sinne von Jürgen Conrady.

06. März
Elektroakustische Szenen
Arsalan Abedian – ein iranischer Komponist

In den Elektroakustischen Szenen gibt es 7 verschiedene akustische Szenarien, die sich nacheinander entfalten. Die Szenen wurden von den Tagebüchern zweier Personen – möglicherweise Komponisten – inspiriert.

Sie stellen in abstrakter Weise Situationen dar, die diesen zwei Persönlichkeiten in ihrem täglichen Leben in verschiedenen Ländern widerfahren. Ihre Leben sind geprägt von Nachrichten, persönlichen und globalen, die ihren Einfluss ausüben.

Das Stück ist in Csound geschrieben und befindet sich an der Grenze zwischen musique concrète und Hörspiel.

Arsalan Abedian wurde 1984 in Teheran geboren. Im Jahr 2007 absolvierte er an der Azad Universität einen Bachelor-Abschluss in Komposition und 2011 einen Master-Abschluss an der Kunst Universität Teheran. Im Jahr 2014 schloss er einen Master-Studiengang Komposition mit dem Schwerpunkt Elektronische Musik an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover ab und 2016 ebendort ein Konzertexamen in Komposition.

Abedian studierte u.a. bei Joachim Heintz, Oliver Schneller, Gordon Williamson und Ming Tsao.

Seine Werke sind geprägt von Zahlen und elektronischen Mitteln. Sie werden verstärkt durch sichtbare Aspekte mit einem Geschmack der Absurdität.

06. Februar
Mein 20. Jahrhundert – was (mir) von der modernen Musik bleibt.

Referent: Dr. Ulrich Maske

Der Mitbegründer der Cooperativa Neue Musik, Ulrich Maske, wird in sehr persönlicher Weise über 70 Jahre Leben mit einem Jahrhundert neuer Musik berichten: Wie er zu ihr fand; wie sich allmählich heraus kristallisierte, was (nicht nur für ihn?) bleibende Bedeutung behalten wird; was ihn mit diesen Komponisten verbindet; und alles natürlich mit wunderbaren Musikbeispielen. Insgesamt also eine Art Führung durch sein imaginäres Museum der Musik seit dem Jahr 1900 oder auch: eine kleine Geschichte der modernen Musik.

09. Januar
CON-FUSION
Stationen III – Neue Musik aus NRW

Stationen ist eine Zusammenarbeit von 9 Gesellschaften für Neue Musik in NRW und dem Landesmusikrat. Bei der 3. Ausgabe bilden Mitglieder des Neue Musik Ensemble Aachen, der Sinfonia Dortmund und von Ensemble Horizonte aus Detmold ein vielseitiges Projektensemble aus 20 Musikern, das neben Stücken von Iannis Xenakis und Manfred Niehaus Uraufführungen von Ulrich Schultheiß, Mijin Oh und Emanuel Wittersheim im Gepäck hat.
Das Konzert findet am Samstag, den 21.01. um 20 Uhr in der Zionskirche statt.
Der Leiter des Ensemble Horizonte, Jörg-Peter Mittmann, führt in das Konzert ein.

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